Der Frieden zwischen Israel und Palästina ist möglich !!

Uri Avnery vertritt seit 1948 die Idee des israelisch-palästinensischen Friedens und die Koexistenz zweier Staaten: des Staates Israel und des Staates Palästina, mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt. Uri Avnery schuf eine Weltsensation, als er mitten im Libanonkrieg (1982) die Front überquerte und sich als erster Israeli mit Jassir Arafat traf. Er stellte schon 1974 die ersten geheimen Kontakte mit der PLO-Führung her.

  • Uri Avnery trifft Jassir Arafat - Foto Uri Avnery 1982

  • Festakt zur Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2008 der Internationalen Liga für Menschenrechte. Von links nach rechts: Mohammed Khatib & Abdallah Aburama (Bürgerkomitee von Bil'in), Rachel Avnery, Fanny-Michaela Reisin (Präsidentin der Liga), Uri Avnery, Adi Winter & Yossi Bartal (Anarchists against the wall) - Foto Michael F. Mehnert CC BY-SA 3.0

  • Bild Interview Sternenjaeger.ch Copyright 2012 - sternenjaeger.ch

Texte von Uri Avnery

Jul 23, 2011

Die Attacke der New York Times Oder Bakschisch für den Torhüter


EIN RÄTSEL: Welche Flotte erreichte ihr Ziel nicht und erfüllte trotzdem ihre Mission ?

 

Nun, es ist die Gaza-Solidaritäts Flottilla.

 

Man könnte natürlich auch sagen, die „kleine Flotte“ des letzten Jahres (das ist die Bedeutung auf Spanisch, so wie Guerilla „kleiner Krieg“ bedeutet). Auch die wäre ein guter Kandidat. Diese Flotillas erreichten Gaza nie, doch der Kommandeur der israelischen Marine könnte die Worte von Pyrrhus, dem König von Epirus, wiederholen, dessen Sieg über die Römer so kostspielig war, dass von ihm gesagt wird, er hätte ausgerufen: „Noch ein solcher Sieg, und ich bin verloren.!“

 

Die Flotilla 1 erreichte Gaza nicht. Aber der Angriff des Marinekommandos, der das Leben von neun türkischen Aktivisten kostete, verursachte solch einen internationalen Aufschrei, dass unsere Regierung sich gezwungen sah, ihre Landblockade um den Gazastreifen bedeutend zu lockern.



Die Attacke der New York Times


Oder Bakschisch für den Torhüter

 

Uri Avnery

 

EIN RÄTSEL: Welche Flotte erreichte ihr Ziel nicht und erfüllte trotzdem ihre Mission ?

 

Nun, es ist die Gaza-Solidaritäts Flottilla.

 

Man könnte natürlich auch sagen, die „kleine Flotte“ des letzten Jahres (das ist die Bedeutung auf Spanisch, so wie Guerilla „kleiner Krieg“ bedeutet). Auch die wäre ein guter Kandidat. Diese Flotillas erreichten Gaza nie, doch der Kommandeur der israelischen Marine könnte die Worte von Pyrrhus, dem König von Epirus, wiederholen, dessen Sieg über die Römer so kostspielig war, dass von ihm gesagt wird, er hätte ausgerufen: „Noch ein solcher Sieg, und ich bin verloren.!“

 

Die Flotilla 1 erreichte Gaza nicht. Aber der Angriff des Marinekommandos, der das Leben von neun türkischen Aktivisten kostete, verursachte solch einen internationalen Aufschrei, dass unsere Regierung sich gezwungen sah, ihre Landblockade um den Gazastreifen bedeutend zu lockern.

 

Die Auswirkungen dieser Aktion haben noch kein Ende gefunden. Die sehr wichtigen Beziehungen zwischen dem israelischen und türkischen Militär sind noch unterbrochen. Die Türkei fordert eine Entschuldigung und Entschädigungen. Die Familien der Opfer führen noch strafrechtliche und zivile Strafverfahren in verschiedenen Ländern durch. Also noch immer Kopfschmerzen.

 

Flotilla 2 fand in dieser Woche ein Ende, als eine große Marine-Aktion zum Entern der einen (!) kleinen französischen Jacht und zur Verhaftung seiner Mannschaft, der Journalisten und Aktivisten, führte – im Ganzen 16 (sechzehn) Leute. Selbst unsere zahmen Rundfunksprecher konnten sich ein höhnisches Grinsen nicht verkneifen „Warum sandten wir keinen Flugzeugträger?“

 

Die 14 Boote, die am Fahren gehindert wurden, und das eine, das schließlich segelte, haben nicht nur unsere ganze Marine wochenlang in Alarmbereitschaft versetzt, sondern halfen auch dazu, dass die Gazablockade in den Nachrichten vorkam. Und das war schließlich der Zweck der Übung.

 

 

WAS GESCHAH mit den 14 Booten, die nicht losfuhren?

 

Es klingt unglaublich: die griechische Marine und Küstenwache hinderte sie mit Gewalt daran, die griechischen Häfen zu verlassen. Es gab dafür keinen rechtlichen Grund noch nicht einmal einen Vorwand der Legalität.

 

Es wäre keine Übertreibung, wenn man sagen würde, die griechische Marine handelte nach den Befehlen von Israels Generalstab. Eine stolze seefahrende Nation mit einer Seefahrtsgeschichte von Tausenden von Jahren hat sich derart degradiert und illegale Aktionen durchgeführt – nur um Israel zu gefallen.

 

Sie ignorierte sogar Sabotageakte, die von Marinekommandos - man rate von wem – gegen die Schiffe in griechischen Häfen durchgeführt wurden.

Zur selben Zeit hinderte die türkische Regierung, die trotzige Sponsorin der Mavi Marmara, das Schiff, auf dem neun türkische Aktivisten letztes Jahr getötet wurden, daran, dieses in diesem Jahr noch einmal auslaufen zu lassen.

 

Zu selben Zeit versuchten auch Gruppen pro-palästinensischer Aktivisten die Westbank auf dem Luftweg zu erreichen. Sie wurden schon auf ihrem Weg dahin gestoppt. Da es keinen direkten Zugang zur Westbank über das Land, das Meer oder über die Luft gibt außer über israelisches Gebiet oder durch israelische Checkpoints, mussten sie über den internationalen Ben-Gurion-Flughafen, Israels Tor zur Welt, kommen. Den meisten gelang es nicht: Nach Instruktionen unserer Regierung hielten alle internationalen Fluggesellschaften die Passagiere schon beim Check-in zurück, indem sie „schwarze Listen“ unserer Regierung benützten.

 

Anscheinend reicht der lange Arm unseres fleißigen Sicherheitsdienstes überall hin, und seine Befehle werden von großen und kleinen Ländern befolgt.

 

 

VOR HUNDERT Jahren fälschte die Geheimpolizei des russischen Zaren, die gefürchtete „Ochrana“, ein Dokument, das „Die Protokolle der Weisen aus Zion“ genannt wurde.

 

(In jenen Zeiten wurde die Geheimpolizei überall noch Geheimpolizei genannt, bevor sie als „Sicherheitsdienste“ den würdevolleren Namen bekamen.)

 

Das Dokument berichtete von dem geheimen Rabbinertreffen auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag, um über Wege zu entscheiden, wie Juden die Herrschaft über die Welt erlangen könnten. Es war eine primitive Fälschung, die ganze Passagen wörtlich aus einem Jahrzehnte vorher geschriebenen Roman klaute.

 

Als er geschrieben wurde, war die reale Situation der Juden grotesk anders – sie hatten überhaupt keine Macht. Als Adolf Hitler – der die Protokolle für seine Propaganda benützte - die „Endlösung“ in Gang brachte, rührte tatsächlich fast niemand in der ganzen Welt einen Finger, um den Juden zu helfen. Sogar US-Juden hatten Angst, ihre Stimme zu erheben.

 

Doch wenn die Autoren der Fälschung heute auf die Bühne ihres Verbrechens zurückkehren würden, würden sie ungläubig ihre Augen reiben: das Produkt ihrer krankhaften Vorstellung ist im Begriff, wahr zu werden. Der jüdische Staat – wie Zionisten uns zu nennen pflegen – kann die griechische Marine befehligen, die Türkei zum Nachgeben veranlassen, ein halbes Dutzend europäischer Staaten instruieren, dass sie die Passagiere schon auf ihren Flughäfen anhalten.

 

Wie ist das möglich? Da gibt es eine einfache Antwort, die aus drei Buchstaben besteht: USA.

 

 

ISRAEL IST eine Art kafkaesker Torhüter zur einzig gebliebenen Supermacht der Welt geworden.

 

Durch seinen immensen Einfluss auf das amerikanisch-politische System und besonders auf den Kongress kann Israel eine politische Steuer jedem auferlegen, der etwas von den US benötigt. Griechenland ist bankrott und benötigt verzweifelt amerikanische und europäische Hilfe. Die Türkei ist ein Partner der USA und der Nato und ist auf die Nato angewiesen. Kein europäisches Land wünscht Streit mit den USA. Also müssen uns alle einen politischen Bakschisch geben.

 

Um diese Beziehung zu festigen, besuchte uns Glenn Beck, der widerliche Protegé von Rupert Murdoch, und wurde begeistert von der Knesset empfangen, wo er uns versicherte, dass „wir nichts zu befürchten haben“, weil er (und implizit Fox und ganz Amerika) voll und ganz hinter uns stehe.

 

 

DESHALB HABEN diese Woche ein paar Zeilen in der New York Times gestanden, die beinahe eine Panik in Jerusalem ausgelöst haben.

 

Die NYT ist vielleicht die am meisten „pro-israelisch“ eingestellte Zeitung der ganzen Welt, einschließlich Israel selbst. Antisemiten nennen sie die Jew York Times. Viele ihrer redaktionellen Schreiber sind glühende Zionisten. Eine Nachricht, die kritisch gegenüber Israels Politik ist, hat wenig Chancen, dort zu erscheinen. Keine Erwähnung der israelischen Friedensbewegung. Keine Erwähnung der Dutzenden von Demonstrationen in Israel gegen den 2.Libanonkrieg und die Cast Lead Operation in Gaza. Selbstzensur wuchert wie wild.

 

Aber in dieser Woche veröffentlichte die NYT einen vernichtenden Leitartikel, der Israel kritisiert. Der Grund: das Boykott-Gesetz, das von der rechten Knessetmehrheit angenommen worden ist. Es verbietet Israelis, zum Boykott der Siedlungen aufzurufen. Der Leitartikel wiederholte praktisch, was ich im Artikel der letzten Woche schrieb: dass das Gesetz offensichtlich anti-demokratisch ist und wesentliche Menschenrechte verletzt. Um so mehr, als es an der Spitze einer ganzen Serie von antidemokratischen Gesetzen kommt, die in den letzten Monaten verabschiedet wurden. Israel verliert sehr schnell seinen Anspruch, die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ zu sein.

 

Plötzlich begannen in Jerusalem alle roten Lichter wie wild zu blinken . Hilfe! Wir verlieren unseren einzigen politischen Aktivposten in der Welt, den Pfeiler unserer Stärke, die Basis unserer nationalen Sicherheit, den Felsen unserer Existenz.

 

 

DAS RESULTAT kam sofort. Am Mittwoch brachte die Clique vom rechten Flügel, die jetzt unter der Führung Avigdor Liebermans die Knesset beherrscht, die letzte Abstimmung einer Resolution, die zwei Untersuchungskomitees ernennen wollte, die die finanziellen Ressourcen der „linken“ Menschenrechtsorganisationen untersuchen sollen. Dies war noch ein Punkt auf der langen Liste von McCarthy-Maßnahmen, von denen schon viele angenommen wurden und viele noch darauf warten, angenommen zu werden.

 

Am Tag zuvor erschien Netanyahu speziell in der Knesset, um seinen Anhängern zu versichern, dass er das Boykott-Gesetz voll genehmigt und tatsächlich unterstützt habe. Aber nach dem Leitartikel in der NYT als die Resolution zur Untersuchungskommission dran kam, stimmten Netanyahu und fast alle seine Kabinettsminister dagegen. Die religiösen Fraktionen verschwanden. Die Resolution wurde von einer 2 zu 1 Mehrheit niedergestimmt.

 

Aber eine bedrohliche Tatsache tauchte auf: abgesehen von Netanyahu und seinen von ihm abhängigen Minister stimmten alle anwesenden Likudmitglieder FÜR die Resolution. Dies schloss alle jungen Führer der Partei ein – die kommende Generation des Likud Machthalter

 

Wenn der Likud an der Macht bleibt - wird diese Gruppe der Ultra-Rechten in zehn Jahren die Regierung Israels sein. Und zur Hölle mit der NYT.

 

 

GLÜCKLICHERWEISE gibt es Zeichen, dass ein neues israelisches Phänomen im Kommen ist.

Es begann unschuldig mit einem erfolgreichen Verbraucherstreik wegen Hüttenkäse, um ein Kartell von fetten Katzen zu zwingen, den Preis zu reduzieren. Dies hat zu einer Massenaktion von jungen Paaren geführt, meistens Universitätsstudenten, gegen die unmöglich hohen Mieten von Wohnungen.

 

Eine Gruppe von Demonstranten setzte mitten in Tel Aviv Zelte auf und lebt nun seit mehr als einer Woche dort. Bald danach tauchten überall im Land Zeltstädte auf – von Kiryat Shmona an der libanesischen Grenze bis nach Beer Sheva im Negev.

 

Es ist noch viel zu früh, um vorauszusagen, ob dies ein kurzer Protest ist oder der Beginn eines israelischen Tahrir-Platz-Phänomens. Aber es zeigt klar, dass die Übernahme von Israel durch eine neo-faschistische Gruppe nicht von vornherein feststeht. Der Kampf geht weiter.

 

Vielleicht – nur vielleicht – könnte sogar die NYT damit beginnen, über die Realität unseres Landes zu berichten.


(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs; vom Verfasser autorisiert)

 



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